Am 10. Februar 2009 habe ich den Bericht zum 4. Quartal 2008 kommentiert. Seit diesem Datum ist die ganze Bankenwelt in der Schweiz mehr oder weniger auf den Kopf gestellt worden. Die ganzen Ereignisse des Februars und Märzes haben völlig neue Grundlagen für die Bewertung der CH-Bankaktien geliefert. Und auch bei der UBS haben sich die Ereignisse überschlagen. Bevor wir uns auf die Zahlen stürzen, kurz die Ereignisse im Zeitraffer:
18. Februar 2009: Die Finma verfügt, dass die UBS rund 300 Daten von amerikanischen Kunden an die amerikanischen Steuerbehörden ausliefert. Dies jedoch ohne das Verfahren abzuwarten. Es ist schon unglaublich, dass noch nach 3/4 Jahren die Sachen nicht abgeklärt wurden. Der Druck und die Drohgebärden (IRS) der Amerikaner sind so gross, dass die Finma einlenkt.
27. Februar 2009: Oswald Grübel (jahrelang CS-CEO) löst Marcel Rohner ab und übernimmt das Amt des CEO bei der UBS.
4. März 2009: VR-Präsident Peter Kurer kündigt an bei der GV vom 15. April nicht zur Wiederwahl anzutreten und die UBS präsentiert Alt-Bundesrat Kaspar Villiger als Nachfolger.
13. März 2009: Bundesrat Merz weicht (ohne Gegenforderungen zu stellen) auf Druck der OECD-Staaten das Bankgeheimnis auf. Die Schweiz wird die OECD Standards annehmen und Rechtshilfe auch bei Steuerhinterziehung leisten. Nicht nur die Schweiz hat diesen Schritt angekündigt, sondern auch Liechtenstein, Singapur, Luxembourg, Österreich usw.
15. April 2009: Kaspar Villiger wird als Nachfolger und Verwaltungsratspräsident an der UBS GV gewählt. UBS CEO Grübel kündigt nach einem guten Januar und Februar trotzdem einen Milliardenverlust und einen Netto-Geldabfluss im 1. Quartal 2009 an.
Analyse: 1. Quartal 2009
1. Global Wealth Management and Business Banking (Anmerkung: die UBS hat diese Abteilung neu strukturiert, so gibt es nur noch ein Wealth Management & Swiss Bank und ein Wealth Management Americas).
a) Wealth Management & Swiss Bank
1. Quartal 2009: Operating Income 2.9 Mia. / Ausgaben 1.8 Mia. = Gewinn 1.1 Mia.
4. Quartal 2009: Operating Income 3.15 Mia. / Ausgaben 1.7 Mia. = Gewinn 1.45 Mia.
1. Quartal 2008: Operating Income 4.2 Mia. / Ausgaben 2.25 Mia. = Gewinn 2.0 Mia.
b) Wealth Management Americas
1. Quartal 2009: Operating Income 1.4 Mia. / Ausgaben 1.45 Mia. = Gewinn -0.05 Mia.
4. Quartal 2009: Operating Income 1.45 Mia. / Ausgaben 1.15 Mia. = Gewinn 0.3 Mia.
1. Quartal 2008: Operating Income 1.65 Mia. / Ausgaben 1.45 Mia. = Gewinn 0.2 Mia.
2. Global Asset Management
1. Quartal 2009: Operating Income 0.5 Mia. / Ausgaben 0.35 Mia. = Gewinn 0.15 Mia.
4. Quartal 2009: Operating Income 0.5 Mia. / Ausgaben 0.25 Mia. = Gewinn 0.25 Mia.
1. Quartal 2008: Operating Income 0.8 Mia. / Ausgaben 0.45 Mia. = Gewinn 0.35 Mia.
3. Investment Bank
a) Investment Banking Dienstleistungen
1. Quartal 2009: Einkommen 0.6 Mia.
4. Quartal 2008: Einkommen 1.05 Mia.
1. Quartal 2008: Einkommen 1.1 Mia.
b) Eigenhandel und Trading (Equities)
1. Quartal 2009: Einkommen 1.3 Mia.
4. Quartal 2008: Einkommen 0.2 Mia.
1. Quartal 2008: Einkommen 2.05 Mia.
c) Eigenhandel und Trading (FICC)
1. Quartal 2009: Einkommen -2.0 Mia.
4. Quartal 2008: Einkommen -3.7 Mia.
1. Quartal 2008: Einkommen -19.0 Mia.
Total Investment Bank:
1. Quartal 2009: Einkommen -0.65 Mia. / Ausgaben 2.5 Mia. = Gewinn -3.15 Mia.
4. Quartal 2008: Einkommen -6.5 Mia. / Ausgaben 1.6 Mia. = Gewinn -8.1 Mia.
1. Quartal 2008: Einkommen -14.8 Mia. / Ausgaben 3.4 Mia. = Gewinn -18.2 Mia.
Wie viel hat sich die UBS nun erarbeitet in diesem Quartal?
Rechnet man nun die einzelnen Ergebnisse zusammen und bereinigt sie um die einmaligen Ereignisse sieht es folgendermassen aus:
WM + Swiss und WM Americas: 1.05 Mia. Gewinn
Global Asset Management: 0.15 Mia. Gewinn (Der Sondereffekt des Verkaufes der Bank Pactual wurde hochgerechnet)
Investment Bank: im Report wird von Bewertungskorrekturen nach unten in der Höhe von 3.8 Mia. berichtet. Insbesondere wieder bei dem FICC, wegen Credit Default Swaps von Monoliner. Dann gab es auch eine Korrektur nach oben von 0.65 Mia., in Bezug auf das "Own Credit", d.h. eine positive Veränderung des Credit Spreads der UBS. Rechnet man das auf, kommt man genau auf eine schwarze Null
Total UBS im 1. Quartal 2009: 1.2 Mia. / Im 4. Quartal war die Leistung noch bei 2.3 Mia.
Dieses Quartal wurde von den politischen Ereignissen rund um die UBS und das CH-Bankgeheimnis überschattet. Die hohen Nettoabflüsse der Quartale 3 + 4 2008, aber besonders die extremen Kursverluste Ende 2008 / Anfang 2009 haben die Ertragsseite beim Wealth Management stark belastet und die Gewinne vermindert. In den USA wurden viele neue Berater mit sehr hohen Bonusversprechen geholt (was sich in einem Nettogeldzufluss mündete), was die Ausgaben belastet, somit ist dort dieses Mal ein Minus entstanden. Mal schauen, ob diese Politik Früchte trägt, das wird sich in den nächsten Quartalen zeigen. Die Investment Bank wird von Grübel weiter runtergefahren und wieder haben die Bewertungen ein Loch in die Bilanz gerissen.
Die Kundenvermögen
Die Abflüsse haben sich stark verringert im Vergleich zum 4. Quartal. Die jetzigen Abflüsse sind v.a. auf die Ereignisse des 18. Februar zurückzuführen. Dies hat sehr viele Klienten verunsichert und auch die Aufweichung des Bankgeheimnisses hat dazu beigetragen.
Nun, wo ist das Geld dann wirklich abgeflossen im 1. Quartal?
Wealth Management & Swiss Bank
Internationale Klienten: Vermögen: 621 Mia. CHF (4Q 631 Mia.) / 13.2 Mia. abgezogen (2.1% der Vermögen)
Schweizer Klienten: Vermögen: 313 Mia. CHF (4Q 325 Mia.) / 10.2 Mia. abgezogen (3.2%)
Wealth Management Americas
Vermögen: 673 Mia. CHF (4Q 644 Mia.) / 16.2 Mia. zugeflossen (2.5% Zufluss)
Global Asset Management
Vermögen: 576 Mia. CHF (4Q 575 Mia.) / 7.7 Mia. abgezogen (1.3%)
Total verwaltete Vermögen
31.12.2008: 2'175 Mia. CHF
31.03.2009: 2'183 Mia. CHF
>>> Die verwalteten Vermögen der UBS sind gesamthaft angestiegen, was aber in erster Linie auf den USD/CHF Kurs zurückzuführen ist. Im Grossen und Ganzen bleibt zu sagen, dass "nur" 14.9 Mia. abgezogen wurden, was auf einem verwalteten Vermögen von über 2 Billionen nicht sehr viel ausmacht.
Fazit
Durch die Aufweichung des Bankgeheimnisses wurde in meinen Augen das Hauptargument ausländischer Kunden Geld in die Schweiz zu bringen vernichtet. Mit diesen erwirtschaftet die UBS sehr viel Geld. Der Krux an der Sache ist im Moment jedoch, dass die keine Ausweichmöglichkeiten haben, denn die anderen "Steueroasen" wie Singapur haben genau das gleiche angekündigt wie die CH. Aber trotzdem, diese Angriffe aller Seiten auf die CHF inkl. UBS und das hängige Verahren in den USA haben mich ziemlich beunruhigt. Ich hatte schon immer gesagt, wenn das Bankgeheimnis aufgeweicht wird, dann können die CH-Banken teilweise einpacken. Liechtenstein rechnet mit rund 20% Abfluss von Kundengeldern, der volkswirtschaftliche Schaden für die Schweiz wird gross sein. Die Frage ist nur, wieviel Steuerhinterzieher tatsächlich ihr Geld noch in der Schweiz hatten, denn in den letzten Jahren hat ja jede CH-Bank, welche im Wealth Management tätig ist mindestens eine Filiale in Singapur eröffnet, um die Gelder dorthin zu transportieren. Ich denke, der Fall des Bankgeheimnisses war in vielen Kreisen klar.
Wegen dieser sehr heiklen Situation für die UBS habe ich am 25.03 die Hälfte meiner UBS Aktien mit Verlust verkauft. Ich wollte das Risiko etwas senken. Dieses Geld habe ich direkt in Xstrata investiert, welche seitdem fast 75% im Plus sind.
Aber zurück zu den Aussichten der UBS. Mit Grübel hat die UBS natürlich einen alten Hund geholt, der weiss wie man aufräumen muss, das war auch der Hauptgrund, wieso ich nicht alles verkauft habe. Nun, seit dem Tief im März haben sich die Aktienmärkte sehr stark erholt, was sich positiv auf die verwalteten Vermögen auswirken wird und damit auch zu besseren Erträgen. In der Investment Bank wird weiter aufgeräumt und Grübel hat auch einen weiteren Stellenabbau angekündigt, nun auch im Private Banking. Dies wird sich auf die Ausgaben auswirken, vielleicht nicht sofort, aber in den nächsten Monaten.
Die makroökonomischen Aussichten haben sich stabilisiert und die Aussichten haben sich deutlich verbessert. Zudem hat Ben Bernanke heute gesagt, dass die Erholung Ende Jahr kommen wird. Wenn dies eintrifft und wenn die UBS glimpflich aus all diesen Gerichtsverfahren herauskommt, das Parlament keine fatalen Eingriffe tätigen wird und die Auswirkungen der politischen Entscheidungen des 1Q sich nicht all zu fatal auswirken, dann sehe ich durchaus noch immer einen Kurs bei rund 30 CHF Ende Jahr. Denn auch die sehr zyklische Investment Bank dürfte gegen Ende des Jahres wieder besser laufen und dann könnten die Aussichten 2010 für die UBS gar nicht so schlecht aussehen. Denn auch in diesem Quartal hat die UBS 1.2 Mia. CHF aus dem laufenden Geschäft erwirtschaftet, was mit den eingeleiteten Massnahmen und einer halbwegs gesunden Investment Bank wieder deutlich steigern lassen wird.
Das zweite Quartal wird wieder ein bisschen mehr Licht ins Dunkle bringen, aber die UBS unter diesen neuen Voraussetzungen ist in meinen Augen ein 50/50 Kandidat und nur für Risikfreudige eine Kaufüberlegung wert.
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