Mittwoch, November 26, 2008

Update 2: UBS-Aktie

Nach meinem letzten Update vom 17. September hat sich wahrlich historisches an den Finanzmärkten ereignet. Betroffen davon auch die UBS. Zuerst möchte ich etwas zum Staatseingriff sagen. Noch anfangs Oktober hatte die UBS angekündigt im 3. Quartal einen kleinen Gewinn auszuweisen und jetzt auf sicheren "Wegen" zu sein, kaum 2 Wochen später nahm sie Staatshilfe in Anspruch, schon etwas peinlich.

Nun, was ist passiert?

1. In ganz Europa wurden im Oktober die Banken und z.T. auch die Einlagen unter Staatsschutz genommen.

2. Extrem viele Kundengelder wanderten daraufhin von den "ungesicherten" Ländern in die "gesicherten" Länder. Die Schweiz hatte keine flächendeckende Sicherung ausgesprochen.

3. Bei diesem Punkt gibt es in meinen Augen zwei Versionen. Entweder hat die UBS die Gunst der Stunde genutzt oder sie waren mittelfristig mit den Kundenabflüssen wirklich überfordert. Auf jeden Fall konnte die UBS ihre Risikopositionen in der Grössenordnung von 60 Mia. USD an die SNB übergeben, jedoch mit einem Abschlag von 6 Mia. CHF. bzw. die UBS musste Kapital vom Bund aufnehmen, eben diese 6 Mia. CHF und musste sie als Eigenkapital für dieses Übernahmekonstrukt "gratis" zur Verfügung stellen. Ob und wieviel die UBS davon wieder sehen wird, hängt von der Entwicklung an den US-Immobilienmärkten ab.

4. Durch diese Transaktion hoffte die UBS die Kunden zu überzeugen, dass sie sicher sei und auch Abschreibungen in diesen Risikopositionen sollten ab 1. Quartal 2009 Geschichte sein. Ich denke dies ist eine gute Lösung, denn die SNB kann diese Positionen 10 Jahre lang halten und muss keine Wertberichtigungen ständig machen, so wie die UBS. Bei der UBS schwanken nur noch diese 6 Mia. Eigenkapitel, dass sie einschiessen mussten. Laut Quartalsbericht werden davon im 4. Quartal 2008 auch 4 Mrd. abgeschrieben.

An der Börse wurde die UBS mittlerweile auf 10.xx CHF abgestraft, hat sich jedoch wieder auf 14 CHF erholt. Analysieren wir wieder mal die Quartalsergebnisse der UBS.

Analyse: 3. Quartal UBS

1. Global Wealth Management and Business Banking

a) Wealth Management International & Switzerland

3. Quartal 2008: Einkommen 2.6 Mia. / Ausgaben 1.5 Mia. = Gewinn 1.1 Mia.
2. Quartal 2008: Einkommen 2.8 Mia. / Ausgaben 1.6 Mia. = Gewinn 1.2 Mia.
3. Quartal 2007: Einkommen 3.3 Mia. / Ausgaben 1.7 Mia. = Gewinn 1.6 Mia.

b) Wealth Management US

3. Quartal 2008: Einkommen 1.5 Mia. / Ausgaben 1.3 Mia. = Gewinn 0.2 Mia.
2. Quartal 2008: Einkommen 1.5 Mia. / Ausgaben 1.3 Mia. = Gewinn 0.2 Mia. (bereinigt um ARS-Anleihen Verlust)
3. Quartal 2007: Einkommen 1.7 Mia. / Ausgaben 1.5 Mia. = Gewinn 0.2 Mia.

c) Business Banking

3. Quartal 2008: Einkommen 1.2 Mia. / Ausgaben 0.65 Mia. = Gewinn 0.55 Mia.
2. Quartal 2008: Einkommen 1.2 Mia. / Ausgaben 0.6 Mia. = Gewinn 0.6 Mia.
3. Quartal 2007: Einkommen 1.3 Mia. / Ausgaben 0.75 Mia. = Gewinn 0.55 Mia.

Total Global WM und BB:

3. Quartal 2008: Einkommen 5.3 Mia. / Ausgaben 3.45 Mia. = Gewinn 1.85 Mia.
2. Quartal 2008: Einkommen 5.5 Mia. / Ausgaben 3.5 Mia. = Gewinn 2.0 Mia.
3. Quartal 2007: Einkommen 6.3 Mia. / Ausgaben 3.95 Mia. = Gewinn 2.35 Mia.

2. Global Asset Management

3. Quartal 2008: Einkommen 0.8 Mia. / Ausgaben 0.4 Mia. = Gewinn 0.4 Mia.
2. Quartal 2008: Einkommen 0.8 Mia. / Ausgaben 0.45 Mia. = Gewinn 0.35 Mia.
3. Quartal 2007: Einkommen 0.95 Mia. / Ausgaben 0.6 Mia. = Gewinn 0.35 Mia.

3. Investment Bank

a) Investment Banking Dienstleistungen

3. Quartal 2008: Einkommen 0.8 Mia.
2. Quartal 2008: Einkommen 1.0 Mia.
3. Quartal 2007: Einkommen 1.5 Mia.

b) Eigenhandel und Trading (Equities)

3. Quartal 2008: Einkommen 1.1 Mia.
2. Quartal 2008: Einkommen 1.55 Mia.
3. Quartal 2007: Einkommen 1.45 Mia.

c) Eigenhandel und Trading (FICC)

3. Quartal 2008: Einkommen -4.5 Mia. (davon Abschreibungen von 4.8 Mia.)
2. Quartal 2008: Einkommen -4.7 Mia.
3. Quartal 2007: Einkommen -4.4 Mia.

Total Investment Bank:

3. Quartal 2008: Einkommen -2.6 Mia. / Ausgaben 2.0 Mia. = Gewinn -4.6 Mia.
2. Quartal 2008: Einkommen -2.2 Mia. / Ausgaben 3.0 Mia. = Gewinn -5.2 Mia.
3. Quartal 2007: Einkommen -1.45 Mia. / Ausgaben 2.4 Mia. = Gewinn -3.85 Mia.

Wie viel hat sich die UBS nun erarbeitet in diesem Quartal?

Rechnet man nun die einzelnen Ergebnisse zusammen und bereinigt sie um die einmaligen Ereignisse sieht es folgendermassen aus:

Global WM und BB: 1.85 Mia. Gewinn
Global Asset Management: 0.4 Mia. Gewinn
Investment Bank: 0.2 Mia. Gewinn (der 4.8 Mia. Abschreiber auf Subprime Papiere aufgerechnet und die Gutschrift von 2.2 Mia. auf eigenes Credit-Spread abgezogen)
Total UBS im 2. Quartal: 2.45 Mia. / Steigerung von 0.3 Mia. gegenüber 2. Quartal

Auf das Jahr hochgerechnet erarbeitet sich die UBS nun also 9.8 Mia. CHF. Ich denke, dass gerade die Bonus-Systeme der UBS ermöglichen, die rückläufigen Einnahmen zu einem guten Teil zu kompensieren. Dies sieht man ganz deutlich, wenn man die Ausgaben fürs Personal anschaut. Diese sind massiv gesunken seit Ausbruch der Finanzkrise. Gut sieht man auch wie zyklisch das Investment-Banking ist. In guten Jahren boomt das Geschäft und in der Krise ist es logisch, dass Investment-Banking-Dienstleistungen nicht mehr so gefragt sind und das auch die Equities-Trading Erträge zwangsläufig durch die tieferen Aktienkurse wegschmelzen.

Die Kundenvermögen

Wieder hat die UBS eine beträchtliche Summe an Kundengeldern verloren im 3. Quartal (ca. 84 Mia CHF). Dies wird sich auch wahrscheinlich noch im 4. Quartal fortsetzen. Jedoch hoffe ich stark, dass die Kunden sich nun mit der Staatshilfe sicher fühlen und nicht wieder massiv Geld abheben wie im Oktober. Dies wurde auch durch den CFO der UBS bestätigt, dessen Wahrheitsgehalt jedoch natürlich hinterfragt werden darf.

Nun, wo ist das Geld dann wirklich abgeflossen im 3. Quartal?

Wealth Management International & Switzerland
Internationale Klienten: Vermögen: 853 Mia. CHF / 26.9 Mia. abgezogen (3.0% der Vermögen)
Schweizer Klienten: Vermögen: 227 Mia. CHF / 9.1 Mia. abgezogen (3.9%)

Wealth Management US
Vermögen: 709 Mia. CHF / 9.8 Mia. abgezogen (1.4%)

Business Banking
Vermögen: 143 Mia. CHF / 3.5 Mia. abgezogen (2.4%)

Global Asset Management
Vermögen: 708 Mia. CHF / 34.5 Mia. abgezogen (4.6%)

>>> Wir sehen, dass 40% aus dem Asset Management abgeflossen sind, also dort wo andere Banken die Klienten sind. Das denke ich, kann man auf die Liquiditätsprobleme anderer Banken zurückführen. Sonst sehen wir eigentlich, dass es nach vielen Mia. tönt, jedoch dies dann prozentual rund 2.5% der Kundenvermögen sind, was sich ja noch in Grenzen hält. Viel bedeutender sind die Kursschmelzen an den Börsen, so werden viel mehr "Assets under Management" zerstört und somit auch Erträge, da im Wealth Management diese in der Regel ein Prozentsatz des verwalteten Vermögen darstellt.

Die Irrationalität an den Börsen

In den letzten zwei Monaten haben wir sehr sehr volatile Börsen gesehen, die Schwankungen können nicht mehr anhand von fundamentalen Daten erklärt werden, in den meisten Fällen, so denke ich auch bei der UBS. Die Kursstürze sind geprägt von Angst, Panik und von Käuferstreiks. Man darf natürlich nicht vergessen, dass in letzter Zeit viele Pensionskassen und Versicherungen massiv Gelder umgeschichtet haben auf Oblis usw. (wieder einmal im dümmsten Moment, aber das ist immer das Gleiche mit denen). Ein weiterer Faktor sind die Hedge-Funds, welche sich meistens über Bankkredite refinanziert haben, diese bekommen im Moment nur schwer Kredite von Banken und sind so bei immer tiefer fallenden Kursen gezwungen massenweise Positionen zu liquidieren. Und auch die Anlagefonds darf man nicht vergessen, die Kunden ziehen massiv Gelder ab und der Fonds muss so auch sehr viele Positionen liquidieren.

Alles zusammen gibt dies eine unheimliche Abwärtsspirale und dann resultieren solche Monate wie die letzten. Ich denke, für Leute die etwas Geld auf der Seite haben, dass sie nicht brauchen und damit spekulieren können, eignet es sich im Moment recht gut wieder einzusteigen in den Märkten. Auch bezüglich der UBS Aktie bin ich recht zuversichtlich, noch immer denke ich, dass wir bis Ende 2009 die 30 CHF sehen werden.

Wenn wir davon ausgehen, dass die UBS auf absehbarer Zeit diese 10 Mia. CHF erwirtschaftet, eben ohne diese Sondereinflüsse wie im Moment, dann ergibt dies ein Gewinn pro Aktie von 3 CHF (10 Mia. Gewinn / 3 Mia. ausstehende Aktien). Für Banken war in den Blütezeiten (2004 - 2007) ein KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von 11 - 13 üblich. Das ergibt dann etwa einen Preis von 33 - 39 CHF.

1 Kommentare:

- El Cloedel - hat gesagt…

Jaja, diese Blütenzeiten sind definitiv vorbei und ich hänger immer noch drin bei der UBS... :-) Aber zum Glück muss ich (noch) nicht verkaufen.

Mich überrascht es, dass am wenigsten Kundenvermögen in den USA abgezogen wurde, trotz des Riesendrucks und negativen Images dass die UBS dort mittlerweile durch all die Klagen hat. :-/

Und die Börse ist momentan sehr irrational und emotional. Das Vertrauen ist gleich 0, und dies haben sich die Banken selbst verschuldet. Wer so undurchsichtig, ja teilweise sogar falsch komuniziert, muss sich nicht wundern.

Und was lernen wir daraus Gian? Richtig, es braucht qualifizierte Kommunikatoren... :-)) (obwohl es eigentlich gerade bei der UBS genügend davon hat, aber die haben vielleicht zu wenig Kompetenzen, oder deren Strategie werden von Aussagen der Geschäftsleitung jeweils über den Haufen geworfen)