Sonntag, November 09, 2008

Börsencrash - immer wieder sonntags!

Update 11.11.2008:

Danke an Saile Klein für den Hinweis. Tatsächlich stammt das Gedicht nicht aus Kurt Tucholskys Federn und wurde auch nicht im Jahre 1929 geschrieben. Sondern das Gedicht stammt von einem Österreicher namens Richard Kerschhofer und wurde im 2008 geschrieben. Im Internet wurde dies irgendwie umgeändert und als Gedicht von Kurt Tucholsky in die Weltgeschichte hinausgeschickt. Wobei ich denke, das Gedicht würde auch gut auf die Krise von 1929 passen.

---------------------------------------------------

Wenn man dieses Gedicht von Kurt Tucholsky zum Börsencrash 1929 liest, kommt einem die momentane Situation genau so wieder vor Augen. Ich denke, solche Crashs gehören zur Börse genau so dazu, wie das Amen in der Kirche. Die Weltuntergangsstimmung und Hysterie in den Medien ist ziemlich übertrieben und v.a. die zig-tausend Experten, die die Krise natürlich verhindert hätten, wenn sie an der Macht gewesen wären. Das Gedicht wurde übrigens im Jahre 1930 in "Die Weltbühne" veröffentlicht:


Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei Allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heisst Leerverkauf !

Keck verhökern diese Knaben,
Dinge, die sie gar nicht haben
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos !

Leichter noch bei solchen Taten,
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen
und die Hypothek auf's Haus
heisst, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen grosse Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut !

Soll man das System gefährden ?
da muss eingeschritten werden:
der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat !

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land,
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen,
hat der kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika !

Und wenn die Kurse weiter steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen,
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
dann wird Bisschen Krieg gemacht.

3 Kommentare:

saile klein hat gesagt…

Das Gedicht ist nicht von Tucholsky... siehe:

http://www.sudelblog.de/?p=378

bzw.

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1618259_Freiheitlich.html

mit freundlichen Grüssen die Korrekturabteilung von saile klein

saile klein hat gesagt…

Die Situation von heute mit 1929 zu vergleichen, beinhaltet irgendwie grausiges... Du weisst schon was da nachher so passiert ist? Ähm wenn man die Situation mit 29/30 vergleichen könnte, dann gäbs einigen Grund hysterisch zu werden...

Bobo hat gesagt…

Naja, ich habe mich hier v.a. auf den Anfang der Krise bezogen, bzw. wie sie entstanden ist. Wie die Konsequenzen schlussendlich aussehen, denke ich, kann man im Moment noch nicht abschätzen. Es gibt noch immer ein paar tickende Bomben in den Bankenbilanzen, hier seien v.a. Derivatgeschäfte genannt. Aber ich denke, die Weltwirtschaft ist doch in einem stabileren Zustand als im 1929, sodass die Konsequenzen nicht so gravierend wie damals werden.