Dienstag, Oktober 28, 2008

Die Boni-Diskussion

Update zu diesem Thema:

Heute ist auf Cash.ch ein interessanter Artikel zu Peter Spuhler und der Diskussion um die Boni erschienen. Den möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Ex-UBS-VR Spuhler mit 140'000 Franken "Malus"

----------------------------------------------------

Über dieses Thema musste ich jetzt einen Beitrag schreiben, nicht nur wegen dem Kommentar von Claudio :-). Ich habe mir jetzt seit Wochen die Arena, den Club, Kommentare, Blick-Kampagnen usw. angeschaut, mich nervt langsam diese ganze populistische Diskussion.

Bevor ich mich zum Thema äussere, möchte ich nochmals erwähnen, dass ich die Diskussion an sich für nötig halte, jedoch nicht auf dieser total undifferenzierten Art und Weise. Das ist schlicht billiger Populismus. Zudem möchte ich auch klarstellen, und das wissen die Leute, die mal mit mir über die Banken geredet haben, dass ich alles andere als ein Befürworter der Geschäftspraktiken v.a. der Grossbanken bin. Ich habe oft die Jahresziele der Kundenberater kritisiert, welche schlussendlich ihren Bonus bestimmen. Im Folgenden möchte ich die ganze Diskussion etwas differenzierter führen. Ich gehe vom Beispiel der UBS aus, da sie im Kreuzfeuer der Kritik steht und weil ich dort gearbeitet habe und das System in vier verschiedenen Abteilungen miterleben durfte.

Die UBS hat rund 85'000 Mitarbeiter. Für das momentane Debakel sind sagen wir mal grosszügig vielleicht 500 Leute verantwortlich, eine Abteilung in der Investment Bank in der USA, ein paar Risk-Manager und die Geschäftsleitung inkl. VR. Also wie kommen gewisse Leute jetzt dazu, die ganze Bankbranche zu verteufeln. Es gibt noch immer 84'500 Mitarbeiter, die tagtäglich gute Arbeit leisten und geleistet haben. Es tönt ja auch immer so, als wären alle Manager bei der UBS mitschuldig an der Krise, das ist ja totaler Käse. Zudem gibt es noch andere Banken in der Schweiz, die leisten auch alle gute Arbeit. Wieso jetzt die anderen tausend Manager aufgrund von ein paar schwarzen Schaafen auch mitbestraft werden sollen, das ist mir ein Rätsel. Dieses Verhältnis muss schon berücksichtigt werden.

Desweiteren wird auch oft gesagt, dies seien alles ungerechtfertigte und irreale Löhne. Über die Löhne der obersten Manager (also VR und Geschäftsleitung) kann man sich durchaus streiten, ob die vom Markt bestimmt werden oder ob die nicht mehr von den persönlichen Beziehungen zwischen den Leuten bestimmt werden. In meinen Augen spielt der Markt dort auch nicht wirklich, aber das ist sehr schwer von aussen zu eruieren. Naja, auf jeden Fall, das betrifft wieder nur einen kleinen Teil der Mitarbeiter der UBS.
Nun, die Löhne der anderen 99% der Manager und Mitarbeiter der UBS werden meiner Meinung nach durch den Markt bestimmt. Ich kenne Abteilungsleiter von der Investment Bank in Opfikon, deren Abteilungen halt nun mal 50 Millionen Franken Gewinn generieren. Da ist es doch logisch, dass die UBS ein Interesse hat diese Leute bei sich zu behalten, denn diese gibt es nicht wie Sand am Meer. Das ist auch der einzige Grund, wieso da so grosse Löhne bezahlt werden können, das ist logisch, überall wo Knappheit und Profitabilität zusammenkommen, steigen die Löhne. Gäbe es z.Bsp. nur wenige Maurer und deren Arbeit würde für das Unternehmen einen hohen Gewinn abwerfen, dann würden die Löhne automatisch auch steigen. Ich bin da durchaus der Meinung, dass diese Löhne in den meisten Fällen gerechtfertigt sind, da sie vom Markt gemacht wurden.

Nun, dies ist so in den vergangenen Jahren gut gegangen, nur, da bin ich mit den Kritikern einverstanden, war das ganze Bonus-System nicht nachhaltig. 1. Die Boni müssten für mehrere Jahre eingefriert werden und bei verursachten Verlusten sollte dieser Topf zur Deckung stehen und 2. ist mir bei der UBS aufgefallen, es sind fast durchwegs nur harte Faktoren, also z.Bsp. Erhöhung der Kundengelder oder verkauftes Volumen an Anlagefonds, welche zur Bestimmung des Bonus herangezogen wurden. Es müssten vielmehr auch weiche Faktoren wie Kundenzufriedenheit oder Stimmung im Team usw. herangezogen. Bei den weichen Faktoren ist deren Messung halt realtiv schwierig. Das Bonus-System muss auf jeden Fall beibehalten werden, um Leistungsanreize zu setzen, jedoch muss es überarbeitet werden.

Wenn dann ein Levrat auftritt und behauptet, die Wirtschaft sei an die Wand gefahren und es brauche jetzt mehr Staat, dann stehen mir die Haare zu Berge. Der Staatseinfluss wurde in den letzten Jahren ständig erhöht und zweitens zeigt die Geschichte ganz genau, was passiert wenn der Staat wirtschaftlich aktiv wird, nämlich nichts wirklich Gutes. Desweiteren ist die Schweiz noch immer eine der Nationen mit den konkurrenzfähigsten multinationalen Unternehmungen und KMU's, wie kann man da nur all die Manager, die auch einen grossen Beitrag zu diesem Umstand geleistet haben, als Versager und Abzocker bezeichnen? Ausgerechnet einer, der bis jetzt grösstenteils nur von Parteilöhnen und öffentlichen Ämtern gelebt hat. Der grösste Abzocker, bzw. wer ein goldenes Näsli verdient hat an den Gewinnen der Banken war wohl der Staat selber. Die Manager zahlen alle sicher 50%+ Steuern, dazu kommen noch die Gewinnsteuern aller Banken. Schüttet die UBS also 10 Milliarden Boni aus, gehen 5 davon direkt an unseren Staat. Rechnet man das zusammen, kommen da etliche Milliarden in den letzten Jahren zusammen, welche wir brauchen um unseren Staat zu finanzieren, z.Bsp. die Nationalräte.

3 Kommentare:

winston hat gesagt…

eine typische scheinheilige neid-diskussion und jeder macht mit...viele anleger haben selbst ihr geld in sachen investiert, wovon niemand mehr etwas verstanden hat. nie hat jemand hinterfragt, dass es keine max. rendite mit min. risiko gibt...für das gros der menschen ist börse wie casino, und wer im casino spielt, weiss, dass er gewinnen oder verlieren kann...

Anonym hat gesagt…

Buna sera Gian

Il plaid populismus ei el dretg liug, grazia a Dr.Vasella ;-)
Sche nus tedlassen en tals muments sin ils seniasters fussen nus tuts en cuort alla malura.

Sperel che tia comba seigi sin via da migliur.

Ina biala sera caulda e tochen damaun,
A.Capaul

- El Cloedel - hat gesagt…

Gut geschrieben - bin ich absolut deiner Meinung.

Dass Risikomanager und Experten wie sie bei der UBS zu hohen Salären angestellt sind blindlings in diese Blase gesprungen (eigentlich ja eher aufgesprungen, da die UBS relativ spät ihre grossen Positionen gekauft hat), ist schon beängstigend. Sind also die Manager und andere Topleute wirklich ihr Gehalt/Bonus Wert? Könnten deren Jobs nicht auch andere machen? Wenn ich sehe, welch naiven Fehler auch solche Leute machen, zweifle ich jeweils am Argument, dass diese Positionen im Investment-Banking und in den GL's bzw. Verwaltungsräten nur schwer zu besetzen sind und die Gehälter/Boni deshalb so hoch sind in diesen Branchen/Bereichen.

Der pure Kapitalismus, die absolute, rücksichtslose Rendite-Macherei hat durch die Finanzkrise hoffentlich seinen Todesstoss erhalten. Den Markt spielen lassen finde ich gut und recht und auch nötig. Aber nur dort wo er auch übersichtlich ist und es von selbst funktionniert. Überall sonst braucht es Regulierungen, nicht zuviele, aber Regeln, damit nicht am Schluss die Gesellschaft für Fehler von Einzelnen herhalten muss.